Düsselblume

Gärtnern und was mich sonst noch so interessiert...

Donnerstag, 9. April 2015

Der Giersch ist wieder da

Seit einigen Tagen kommt in meinem kleinen Garten nach dem Winter der Giersch wieder zum Vorschein.

Beet-Planung mt Giersch


Mein Ansatz ist es, zu untersuchen, ober er nicht doch vielleicht ein Geschenk ist, und als Element meiner Gartenplanung infrage kommt?


Warnung!
Holt ihn bloß nicht in den Garten, wenn er nicht schon da ist, denn es kostet doch einigen Aufwand, bis man wirklich Freundschaft mit ihm schließen kann!

Kleine Einführung

Der Giersch ist eine sehr widerstandsfähige Pflanze, die sich unterirdisch ausbreitet. Selbst kleinste Wurzelstücke entwickeln sich zu neuen Pflanzen.
Zunächst meint man, er ist gar nicht mehr loszuwerden.
Da mein neuer Garten eine Weile nicht genutzt wurde, hat er sich dort breit gemacht. 
  
Nach einer Weile der Beschäftigung mit ihm – im letzten Jahr konnte ich schon Erfahrungen sammeln - habe ich nun doch einen etwas anderen Blick und habe die Angst vor ihm (fast) verloren ;-)

Fragen, die ich mir gestellt habe

Kann ich ihn als Teil meiner Mini-Teil-Selbstversorung einplanen? Wo nutzen mir seine Eigenschaften?
Jedes Element in meinem Garten soll nach den Ideen der Permakultur (PK) mindestens drei positive Funktionen haben. Hat er für mich nützliche Funktionen?
Und vor allem: Werde ich ihn wieder los, wo ich ihn nicht haben will?

Untersuchung seiner Haupteigenschaften

  • er ist sehr überlebensfähig und breitet sich durch sein unterirdisches Wurzelwerk stark aus
  • er ist essbar und früh im Jahr ein guter Vitamin C-Lieferant
  • man kann ihn sensen und hat dadurch Kompost- und Mulchmaterial
  • oberirdisch als Pflanze erscheint er nach dem Winter im mittleren Frühling und verschwindet im Herbst
  • er beschattet als Unterwuchs den Boden und hindert ihn am austrocknen 
  • er ist eine einheimische Pflanze angepasst an unser Klima 
  • er wurde früher als Heilpflanze gegen Gicht und Rheuma angebaut
  • er sieht gut aus, wenn er in Blüte geht
  • wo er wächst, wächst kein Gras mehr und er vertreibt fast alle anderen Pflanzen
  • er macht keine Arbeit, außer ihn zu ernten

Seine Bedürfnisse

Auch er braucht bestimmte Voraussetzungen, um sich gut entwickeln zu können:
  • er liebt halbschattige Waldrandstandorte und stickstoffreichen Boden 
  • er mag keinen tiefen Schatten

Meine Bedürfnisse

Wo sind dieses Eigenschaften eine Lösung für mich? Wo möchte ich einen dauerhaften Bewuchs mit Giersch haben, z.B. damit sich keine anderen Wildkräuter ausbreiten können?
Die positiven Hauptfunktionen für mich sind:
  • er ist ein leckeres mehrjähriges Wildgemüse, und bei mir im Garten steht er etwas beschützt vor äußeren Einflüssen. An fast allen Standorten in freier Natur wächst er oft in sehr frequentierten Hunde-Spaziergängergebieten und man muß nach guten Erntestellen suchen
  • er macht kaum Arbeit
  • außerdem sorgt er für eine dauerhafte Bodendeckung und unterdrückt dadurch das Ausbreiten anderer Pflanzen

Zwischenbetrachtungen 

Habe ich lange genug nachgedacht? Die Funktionen eines Elements sollen doch laut PK eigentlich unbegrenzt sein. Was für Funktionen kann er noch für mich haben, so dass ich einen Nutzen aus ihnen ziehen kann?
Also gut, dann fällt mir noch ein:
  • ich kann Rohköstler glücklich machen, indem sie ihn bei mir ernten können
  • und er lehrt mich Geduld
  • .....

Kleine Waldrandgebiete entstehen

Nach allem Für und Wider habe ich beschlossen, dass es in einigen Ecken meines Gartens kleine Waldrandgebiete gibt, wo er sich ausbreiten darf.
In einer Ecke stehen zwei nicht mehr tragende alte knorrige Apfel-Spalier-Obstbäume, in derem Schatten er gute klimatische Bedingungen findet (Foto oben).
Als Rhizomsperre zu dem angrenzenden Bereich habe ich Dachziegel halb in der Erde versenkt, damit er auch schön in seinem Territorium bleibt.
Um dieses kleine Waldrandgebiet noch anderweitig zu nutzen, habe ich versucht, dort auch andere Pflanzen anzusiedeln und es hat geklappt!
So wachsen jetzt sehr frühe Frühlings-Wildflanzen wie Bärlauch und Frühlingsblüher wie Narzissen am gleichen Standort. Weil sie eine Licht-Nische im Giersch-Jahreslauf ausnutzen können, sind sie schon fertig mit ihrem Wachstums- und Blüh-Kreislauf, wenn der Giersch so hoch ist, dass er sie beschattet und hindert.

Und im restlichen Garten?

In den Bereichen in meinem Garten, wo er nicht sein darf, wende ich folgende Strategien, um ihn loszuwerden:

Loswerden, aber wie?

a. Manuell entfernen
Am effektivsten ist es, mit der Grabegabel senkrecht den Boden zu lockern und so gut wie möglich per Hand alle ober- und unterirdischen Pflanzenteile aus dem Boden zu holen.
Diese Prozedur wiederholt man noch zweimal jeweils nach 3-4 Wochen.
Dann ist das Gebiet ziemlich sicher gierschfrei.

b. Aufessen
Also lerne ich Smoothies mit Giersch, Giersch-Gemüse-Pfannen und Giersch-Pesto und -auflauf herzustellen. Nach 2-3-maliger Ernte an der gleichen Stelle hat er es nicht so leicht, an dem Standort weiter zu wachsen.

c. Anderweitig nutzen
Hinein in die Kräuterjauche und auch als Mulchmaterial nutzen...

d. Begrenzen
Rhizomsperren natürlicher Art: Welche Pflanzen stoppen ihn? Bisher habe ich gute Erfahrungen mit dem Gilb-Felberich und Meerettich gemacht und auch in das bodendeckende Waldmeistergebiet ist er nicht eingewandert.
Alte Dachziegel haben eine ausreichende Tiefe, um ihn am unterirdischen Ausbreiten zu hindern.

e. Lebensbedinungen erschweren
Weil nicht alle Lichtverhältnisse etwas für ihn sind, funktioniert auch die Pappkarton-Methode:
Das Gierschgebiet wird mit einer doppelten Lage Pappkarton mindestens 2 Jahre bedeckt.
In den Gebieten, in denen ich den groben Baumschnitt liegen ließ, funktioniert es auch ganz gut.

Hier ist ein Link zu einem früheren Post mit einem Rezept Frühjahrs-Vitamin-Getränk mit Giersch.

Ich bin gespannt auf meine weiteren Giersch-Erfahrungen im diesem Gartenjahr....










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